Drechseln
Vor langer Zeit habe ich einmal
zugesehen, wie auf einer Drechselbank aus einem Stück Holz schöne Dinge
entstehen. Das hat mir keine Ruhe gelassen.
So habe ich in der Arbeit mit Hilfe eines Kollegen begonnen
eine Drechselmaschine zu bauen. Diese hatte einen Spindeldurchmesser von 18 mm.
Diese Größe wurde damals gewählt, weil es in unserem Werkzeuggeschäft Zubehör
für die damalige Scheppach Drechselbank gab. Das damalige “drechseln” war mehr
ein “schaben”, und von einer Oberflächenbehandlung nach heutigen Maßstäben
konnte keine Rede sein. Durch einen Umzug hatte ich keine Möglichkeit diese Bank
wieder aufzustellen. So vergingen etwa 10-15 Jahre. Leider gab es noch kein
Internet wie heute, wo man sich mit Kollegen schnell und einfach austauschen
kann.
Durch
Zufall bin ich auf das Drechselforum von Arno Krüger gestoßen, der das Forum mit
mehreren Kollegen moderiert und betreibt. Inzwischen habe ich einige Kollegen
persönlich kennen gelernt, so wie etwa den Fred (Forenname), den ich schon
mehrfach besucht habe. So habe ich mir erst die kleine Jet und bald danach eine
gebrauchte Drechselbank der Fa. Hegner angeschafft. Diese habe ich noch mit
einem Frequenzumformer ausgerüstet. So kann ich die Drehzahlen bequem mit einem
Potentiometer einstellen. Nach und nach habe ich mir die verschiedenen Werkzeuge
dazugekauft oder selber dazu gebaut.
Auch die Einspannmöglichkeiten haben sich sehr verbessert, da nach und nach
mehrere, verschiedene Futter angeschafft wurden. Auch die Qualität meiner
Arbeiten hat sich in der letzten Zeit stark verbessert. Die Oberflächen werden
jetzt meist wie ich mir das vorstelle. Durch das Internet bekomme ich Kontakt zu
vielen Stellen, die alle verschiedene Ansichten von Form und Farbe haben. Im
Laufe der Zeit habe ich auch ein besseres Formgefühl bekommen. Im Januar 2005
habe ich einen Drechselkurs bei Mike Tingey besucht. Dort habe ich erfahren, wie
die verschiedenen Werkzeuge anzuwenden sind. Die Formgebung wurde an einer Tafel
anschaulich erläutert. Habe dort sehr viel gesehen und gelernt und versuche nun,
das gelernte in der Praxis umzusetzen. Im Jahr 2007 habe ich mir dann eine
Werkstatt gebaut, da in der Garage der Staub mit dem Rest nicht
"zusammengepasst" hat. Sie ist etwa 7 X 4 Meter groß. Darin enthalten ist eine
kleine Bandsäge, eine große alte Bandsäge aus Guss, eine Hegner Drechselbank mit
FU, eine englische Kopfdrechselbank mit FU (Union Graduarte), eine kleine Jet,
Werkzeugschränke, Werktisch, Absauganlage und ein Ofen. So kann man es auch im
Winter aushalten, wenn gemütlich eingeheizt ist. Eine Tormek zum Schleifen der
Eisen ist auch vorhanden. Einen Teil meiner Werkzeuge habe ich selbst gebaut. So
bin ich etwa ein Jahr fast nicht zum drechseln gekommen. Jetzt fehlt mir die
Übung und ich werde jetzt langsam wieder von vorne anfangen.